„2025 haben wir 26.920 Megawattstunden Strom erzeugt“
In der Serie „Unternehmen auf dem Weg zur Energieautonomie“ zeigen wir, wie Vorarlberger Betriebe die Energiezukunft konsequent mitgestalten. Mit welchen Maßnahmen sie ihre Emissionen reduzieren, was sie antreibt und warum sich der Weg in Richtung Energieautonomie (auch wirtschaftlich) lohnt.
Mit Niklas Ausfelder, Sustainability Officer, Corporate Governance and Controlling bei Gebrüder Weiss, haben wir unter anderem über die größten Energieverbraucher im Betrieb, Vorzeigeprojekte in Sachen Energieeffizienz und weitere geplante Schritte in Richtung Energieautonomie gesprochen.
Welche Prozesse oder Betriebsbereiche verursachen aktuell den größten Energiebedarf in Ihrem Unternehmen?
2024 entfiel der größte Anteil unseres Energieverbrauchs mit rund 70 % auf den Transportbereich. Der verbleibende Anteil ist den Gebäuden zuzurechnen.
Wo setzen Sie an, wenn es darum geht, die größten Energieverbraucher im Betrieb zu identifizieren und zu optimieren?
Wir schaffen zunächst eine transparente Datengrundlage, etwa durch Monitoring und die Analyse von Lastgängen, um die Hauptverbraucher zu identifizieren. Darauf aufbauend priorisieren wir Maßnahmen nach ihrem Einsparpotenzial und setzen gezielt Optimierungen um – von betrieblichen Anpassungen bis hin zum Einsatz effizienter Technologien.
Gibt es bereits Standorte oder Projekte (in Vorarlberg), auf die Sie in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit besonders stolz sind?
Ein aktuelles Beispiel ist der Einsatz von fünf vollelektrischen Mercedes-Benz eActros 600 am Standort Lauterach, inklusive entsprechendem Lastmanagement für die Ladeinfrastruktur. Dieses Projekt zeigt, wie wir nachhaltige Transportlösungen einsetzen. Mehr Infos

Welche Schritte setzt Gebrüder Weiss aktuell im Transportbereich, um die eigene Flotte nachhaltiger und energieeffizienter zu gestalten? Welchen Anteil Ihrer Flotte machen aktuell alternative Antriebe aus?
In Österreich werden in den kommenden Jahren Dieselfahrzeuge schrittweise durch elektrisch betriebene Lkw ersetzt. Parallel dazu bauen wir unsere Ladeinfrastruktur gezielt aus. Ein Experten-Team koordiniert diese Transformation zudem auf internationaler Ebene und entwickelt laufend Maßnahmen, um unsere Transportprozesse energieeffizienter und nachhaltiger zu gestalten.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen speziell für ein Logistikunternehmen auf dem Weg zur Energieautonomie in Vorarlberg?
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Planbarkeit – insbesondere im Hinblick auf regulatorische Rahmenbedingungen sowie Investitionskosten. Hinzu kommen die Verfügbarkeit und Preisentwicklung von Energie, die für langfristige Entscheidungen eine wesentliche Rolle spielen.
Habt ihr spezielle Angebote im Rahmen von gesunder und klimafreundlicher Mitarbeitermobilität?
Wir bieten unter anderem ein Jobrad-Modell inklusive entsprechender Infrastruktur wie Reparaturstationen sowie ein Jobticket an. Ergänzt wird dies durch flexible Arbeitsmodelle wie etwa Home Office.
Gibt es bereits Pläne für nächste Schritte? Wie stellen Sie sich den Betrieb von Gebrüder Weiss in Vorarlberg in Bezug auf Energieversorgung und Nachhaltigkeit in 10 – 15 Jahren vor?
Wir treiben unsere Effizienz- und Dekarbonisierungsmaßnahmen konsequent weiter voran – beispielsweise durch den Ausbau von Photovoltaikanlagen, den Einsatz intelligenter Steuerungssysteme und den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur.

Perspektivisch sehen wir unsere Standorte in Vorarlberg in 10 bis 15 Jahren weitgehend aus erneuerbaren Energiequellen versorgt, digital optimiert und mit minimalem CO₂-Fußabdruck.
2025 hat Gebrüder Weiss mit erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne 26.920 Megawattstunden Strom erzeugt. Das entspricht rund 75 Prozent des gesamten Strombedarfs aller Gebrüder Weiss-Standorte weltweit. (2024: 25.640 Megawattstunden Strom)
Gebrüder Weiss baut seit mehreren Jahren Photovoltaikanlagen (PV) auf den Dächern seiner Logistikterminals. Im Jahr 2024 wuchs in der DACH-Region und in Osteuropa die Anzahl der PV-Anlagen von 27 auf 34 an. Die Anlagen erzeugten 12.699 Megawattstunden Strom. Das entspricht etwa der Hälfte des Strombedarfs aller Gebrüder Weiss-Standorte weltweit.
Seit 2011 betreibt Gebrüder Weiss in Norddeutschland einen eigenen Windpark, der im Jahr 2024 insgesamt 12.941 MWh Strom erzeugte, der in das deutsche Stromnetzwerk eingespeist wird. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Verbrauch von 3.235 Drei-Personen-Haushalten.
- Der österreichische Logistiker Gebrüder Weiss betreibt seit Ende 2025 vierzehn E-Lkw vom Typ Mercedes-Benz eActros 600, die er im täglichen Stückgut-, Linien- und Fernverkehr an seinen Standorten in Wien, Pöchlarn, Wels und Hall in Tirol sowie an seinem Hauptsitz in Lauterach einsetzt. Der eActros 600 fährt bei Gebrüder Weiss sowohl in regionalen Verkehren als auch im anspruchsvolleren Linien und Fernverkehr. Grundlage dafür ist eine unternehmenseigene Ladeinfrastruktur.
- Die E-Lkw am Standort Vorarlberg (Österreich) sind im Tag-Nacht-Einsatz unterwegs. Sie werden für regionale Verkehre in Vorarlberg, für Touren in die Schweiz und nach Deutschland sowie für Linienverkehren etwa Richtung Hall in Tirol und Freiburg im Breisgau eingesetzt.
Gebrüder Weiss plant den Ausbau der eigenen Ladeinfrastruktur auch an weiteren Standorten, um Touren noch unabhängiger von externen Ladestationen durchführen zu können. Bis Ende 2026 soll die E-Flotte in Österreich auf insgesamt 25 Mercedes-Benz eActros in Österreich wachsen.
Factbox zum Unternehmen
- 180 Standorte
- 8.600 Mitarbeitende
- 35 Länder
- 1.010.00m2 Logistikfläche
- 126 Mio. Euro Investitionen

