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Vorarlberg sicher, wirtschaftlich und erneuerbar mit Energie versorgen

Vorarlberg hat sich mit der Energieautonomie das Ziel gesetzt, bis 2050 nur noch so viel Energie zu verbrauchen, wie wir aus regional verfügbaren, erneuerbaren Energieträgern bereitstellen können. Nun wurde die Strategie zur „Energieautonomie+ 2030“ erweitert und aktualisiert

Das Zieldreieck bilden die Bereiche Nachhaltigkeit, Leistbarkeit und Versorgungssicherheit.  Im Mittelpunkt stehen das Energiesparen, die Erhöhung der Energieeffizienz und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energieträge.

Unter Einbindung zahlreicher Fachleute wurde ermittelt, ob und wo es Anpassungs- bzw. Aktualisierungsbedarf gab. Wo nötig und zweckmäßig, wurden daraufhin einzelne Ziele und Maßnahmen überarbeitet. Die mit den Landtagsparteien, der Sozialpartnerschaft und dem Gemeindeverband abgestimmte Strategie wurde von der Landesregierung verabschiedet und wird jetzt dem Landtag zugewiesen.

Zieldimensionen der Energieautonomie

Die extremen Schwankungen der Energiepreise seit 2020 - v.a. aufgrund des Ukraine Krieges -haben das Zieldreieck der Energiepolitik wieder verstärkt ins Rampenlicht gerückt. „Die Energiepolitik trägt Verantwortung dafür, dass Energie sicher verfügbar, leistbar für Haushalte, wettbewerbsfähig für Industrie und Gewerbe sowie umweltfreundlich und klimaverträglich erzeugt wird“, führt der Landeshauptmann aus. Diese Ziele und deren gegenseitige Wechselwirkungen bilden das energiepolitische Zieldreieck, das neu in die Strategie mit aufgenommen wurde:

Die stabile und verlässliche Energieversorgung ist ein Grundpfeiler für den Erfolg unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Versorgungssicherheit bedeutet, dass Haushalte, Unternehmen und Industrie jederzeit mit der benötigten Energie versorgt werden. Dieses Prinzip gilt auch während Nachfragespitzen sowie in Krisensituationen.

  • Ziel 1: Sicherheit bzw. verlässliche und ausfallssichere Energieversorgung
  • Ziel 2: Wirtschaftlichkeit bzw. leistbare und wettbewerbsfähige Preise für Haushalte und Unternehmen
  • Ziel 3: Umwelt- und Klimaverträglichkeit bzw. Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen

Die wirkungsvollste Maßnahme, um die Energieversorgung langfristig sicher und planbar (Ziel 1) und möglichst selbstbestimmt zu gestalten (Ziel 2), ist die konsequente Fortsetzung des beschrittenen Weges der Energieautonomie mit den Maßnahmen zum Energiesparen, Erhöhung der Energieeffizienz und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energieträger.

Die drei Hauptziele für das Jahr 2030 bleiben im Sinne der Zieldimensionen der Energieautonomie bestehen:

- 50 Prozent Anteil heimischer erneuerbarer Energieträger am Endenergiebedarf
- 50 Prozent Reduktion der Treibhausgase zum Vergleichsjahr 2005
- 100 Prozent Anteil erneuerbarer Energie an der Stromversorgung

Beim Hauptziel 50 Prozent Anteil heimischer erneuerbarer Energieträger am Endenergiebedarf wurde der stärker als erwartet steigende Strombedarf und der ebenfalls stärker als erwartete Rückgang der Gasverbrauches im Zeitraum 2021 bis 2030 berücksichtigt.

Beim Hauptziel 50 Prozent Reduktion der Treibhausgas-Emissionen wurde zusätzlich zum Ziel 2030 das Ziel der EU-Kommission von 90 Prozent Treibhausgas-Einsparung bis 2040 erwähnt.

Beim Hauptziel 100 Prozent erneuerbarer Strom wurde in Abstimmung mit illwerke vkw berücksichtigt, dass inzwischen sämtliche Szenarien von einem erhöhten Strombedarf v.a. bei Industrie und Mobilität ausgehen. Die heimische Stromproduktion soll auf 3.200 GWh im Jahr 2030 und auf 4.000 GWh 2040 ausgebaut werden – Landesrat Allgäuer: „Zur Deckung des erwarteten Stromverbrauchs 2030 wurde ein neues Mengengerüst erstellt mit 76 Prozent Wasserkraft, 16 Prozent Photovoltaik, erstmals 2 Prozent Windkraft und 6 Prozent technologieoffener Aufbringung.“

Schwerpunkte der Strategie

Dabei hat man sich besonders mit der Notwendigkeit der Reduktion der Abhängigkeit von Energieimporten auseinandergesetzt. Auch galt es, den starken Entwicklungen im Ausbau von Photovoltaik, Heizungen auf Basis erneuerbarer Energieträger und Elektromobilität Rechnung zu tragen. Weitere Schwerpunkte sind der Ausbau der Energieinfrastruktur wie Strom- und Nahwärmenetze und der weitere Umgang mit dem Gasnetz. Auch Vorbereitungen für ein mögliches Wasserstoff-Parallelnetz sind Bestandteil der Strategie. Und nicht zuletzt setzen neue EU-Richtlinien Rahmenbedingungen etwa bei der Entwicklung von Vorranggebieten für erneuerbare Energieträger oder der Ertüchtigung des Gebäudebestandes.
Die wesentlichen Schwerpunkte gelten den Themen:

1. Erneuerbare Stromversorgung

Gegenüber der bisherigen Strategie müssen im Bereich der Wasserkraft aufgrund von Entscheidungen von illwerke vkw mehrere geplante Projekte zurückgestellt werden. Der Fokus liegt auf Kleinwasserkraftwerke und Optimierung bestehender Anlagen. Das Lünerseewerk II, das größte Pumpspeicherkraftwerk Österreichs, wird mit 2 Milliarden Euro als Schlüsselprojekt vorangetrieben, um die Energiespeicherung und Stabilität des Systems zu gewährleisten.

Bei Photovoltaik-Anlagen soll der Fokus in erster Linie auf Gebäudedächer und Fassaden gelegt werden, während hochwertige Grün- und Ackerflächen wie bisher auch zukünftig frei von Photovoltaikflächen bleiben sollen.

Außerdem sollen auch Anlagen auf künstlichen und versiegelten Flächen forciert werden. Neben Wasserkraft und Sonnenenergie gibt es in Vorarlberg auch Potenzial für Windkraft. In den in Vorarlberg dafür geeigneten Gebieten sollen jeweils Einzelfallprüfungen in Abstimmung mit den Gemeinden durchgeführt werden.

2. Erneuerbare Raumwärme

Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor weiter abzusenken und den Anteil der erneuerbaren Energieträger zu steigern. Durch eine ausgewogene Mischung aus Information und Bewusstseinsbildung, Förderungen und baurechtlichen Vorgaben soll bewirkt werden, dass die Raumwärmebereitstellung möglichst vollständig auf erneuerbare Energiequellen umgestellt wird. Besonders Augenmerk soll dabei auf die soziale Verträglichkeit und Leistbarkeit für einkommensschwache Haushalte gelegt werden.

3. Erneuerbare Prozessenergie

Der Produktionsindex im Bereich Industrie und Gewerbe lag 2023 um 81 Prozent über dem des Jahres 2005, während der Energieverbrauch im selben Zeitraum nur um 7 Prozent gestiegen ist. Die Senkung der spezifischen Energieintensität bzw. Erhöhung der Energieeffizienz soll durch gezielte Programme fortgeführt und wenn möglich weiter gesteigert werden. Durch Energieforschung und technologische Innovationen sollen weitere Bausteine für die Energiesysteme der Zukunft entwickelt werden. Technologieoffenheit bleibt beibehalten und neue Forschungsergebnisse werden in die Betrachtung miteinbezogen, mit dem Ziel erneuerbare Prozessenergie zu forcieren.

4. Nachhaltige Mobilität

Der öffentliche Personen Nahverkehr spielt eine wichtige Rolle im Mobilitätssektor. Während der Schienenverkehr voll elektrifiziert ist, ist bei der Busflotte die Elektrifizierung in vollem Gang. Ende 2025 waren 99 Elektrobusse im ganzen Land unterwegs. Bis Ende Mai 2026 sollen es rd. 140 sein.

Neben dem Radverkehr setzen wir uns für die Schaffung attraktiver und sicherer Rahmenbedingungen für Fußgängerinnen und Fußgänger ein. Ziel ist es, den aktuellen Wegeanteil jedenfalls zu halten.

Durch neue und verbesserte Antriebstechnologien und eine Verlagerung auf die Schiene soll im Güterverkehr ein substanzieller Beitrag zur Reduktion fossiler Energieträger und der Treibhausgasemissionen erreicht werden. Ziel ist es, Wege und Transportaufgaben, die sich nicht oder nur schwer auf den Umweltverbund verlagern lassen, in Zukunft weitgehend mit energieeffizienten und emissionsarmen Fahrzeugen zu bewältigen.
Ergänzend nimmt der Anteil von PKW´s mit Elektro- oder Hybrid-Antrieben an den Neuzulassungen zu und lag 2025 bei knapp unter 30 Prozent aller Neuzulassungen.

5. Vorbildwirkung der öffentlichen Hand

Der öffentlichen Hand kommt im Rahmen der Energieautonomie+ eine bedeutende Vorbildfunktion zu. Die Vorarlberger Landesverwaltung wird gemäß einstimmigem Landtagsbeschluss vom Dezember 2018 – als erste in Österreich – seit 2019 klimaneutral organisiert. Dieser Beschluss wurde durch die MissionZeroV+ auf landeseigene Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung ausgedehnt. Auch Vorarlbergs Kommunen, v.a. die e5-Gemeinden Vorarlbergs, engagieren sich seit vielen Jahren im Klimaschutz. 24 Gemeinden haben sich inzwischen der MissionZeroV angeschlossen. Dieser Weg soll konsequent fortgesetzt werden.

Das ist neu an der Strategie

Die bisherigen 26 Handlungsfelder in 8 Sektoren entsprechend dem Klimaschutzgesetz, Gebäude, Energieerzeugung und Infrastruktur, Mobilität, Industrie und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft, F-Gase und Sektorübergreifenden Handlungsfelder wurden teilweise überarbeitet und es wurden neue Handlungsfelder hinzugefügt, so dass die Neufassung der Strategie nun 29 Handlungsfelder enthält. Folgende Handlungsfelder sind neu:

  • Stromspeicherung und Flexibilität
  • Erneuerbare Gase und Gasnetz-Infrastruktur (H2, Methan)
  • Verhinderung von Energiearmut
  • In Anlehnung an der EU-Gebäuderichtlinie sollen die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor weiter gesenkt und der Anteil der erneuerbaren Energieträger gesteigert werden. Weitere Maßnahmen im Bereich Gebäude betreffen die Installation von Photovoltaikanlagen – die vorwiegend auf Gebäuden errichtet werden sollen - die Infrastruktur zum Laden von E-PKW und das Thema der Materialwahl bei Neubauten und Sanierungen.

Anhang: Was bisher erreicht wurde

Seit der Verabschiedung der Strategie „Energieautonomie+ 2030“ für die Dekade 2021 bis 2030 hat sich die Zielerreichung folgendermaßen entwickelt:

  • Hauptziel 50 % Anteil heimischer (erneuerbarer) Energieträger am Endenergiebedarf: 2023 betrug der Anteil heimischer Energieträger an der Gesamtversorgung bereits 48 %.
  • Hauptziel 50 % Reduktion der Treibhausgase 2030 zum Vergleichsjahr 2005: Die CO₂-Emissionen 2023 lagen mit 1,83 Mio. Tonnen schon 24 % unter dem Wert von 2005, aber noch deutlich über dem Zielwert von 2030 (1,19 Mio. Tonnen).
  • Hauptziel 100 % Anteil erneuerbarer Energie an der Stromversorgung in der Jahresbilanz: Von den 2.667 GWh an elektrischer Energie, die an Kund:innen abgegeben wurden, konnten 95 % bilanziell aus heimischen Erzeugungsanlagen gedeckt werden.

Neben der Annäherung an die Hauptziele konnten weitere Erfolge in diversen Bereichen verzeichnet werden, wie ausgewählte Beispiele zeigen:

  • Das Ziel für den Photovoltaik-Ausbau für 2030 (330 MW) wurde schon im Jahr 2024 erreicht.
  • Im Neubau sind mehr als 95 Prozent der Heizsysteme klimafreundlich und bei größeren Sanierungen liegt der Anteil klimafreundlicher Heizsysteme bei 80 Prozent.
  • Die Nahwärme wurde ausgebaut und versorgt inzwischen etwa 20.000 Haushalte in Vorarlberg mit rund 300 GWh Wärmeenergie.
  • Mehr als 50 Prozent aller Alltagswege werden aktuell im Umweltverbund – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn – zurückgelegt. Der Anteil des PKW-Verkehrs ist dagegen leicht zurückgegangen.
  • Im Jahr 2024 wurden mit insgesamt 89.401 so viele ÖV-Jahreskarten verkauft wie noch nie zuvor.
  • Die Gebäude der Landesverwaltung (Landhaus, Bezirkshauptmannschaften, etc.) wurden 2024 zu 100 Prozent. mit erneuerbarem Strom versorgt und der Anteil erneuerbarer Energieträger für Heizung und Kühlung der Gebäude betrug im Jahr 2024 rund 87 Prozent. Unter Berücksichtigung der Gesellschaften mit Mehrheitsbeteiligung (z.B. KHBG) beträgt der Anteil 65 Prozent.