Logo

„Kund:innen interessieren sich zunehmend für die Dekarbonisierungsstrategie“

In der Serie „Unternehmen auf dem Weg zur Energieautonomie“ zeigen wir, wie Vorarlberger Betriebe die Energiezukunft konsequent mitgestalten. Mit welchen Maßnahmen sie ihre Emissionen reduzieren, was sie antreibt und warum sich der Weg in Richtung Energieautonomie lohnt.

Im Gespräch mit Tatjana Grissemann-Peter
Liebherr-MCCtec GmbH

Im Gespräch mit Tatjana Grissemann-Peter

Mit Tatjana Grissemann-Peter, Corporate Responsibility der Liebherr-MCCtec GmbH, haben wir unter anderem über die Verankerung von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Arbeitsalltag, die Rolle von Kommunikation von Klimazielen an Mitarbeitende und Kund:innen, die Bedeutung von HVO (Hydriertes Pflanzenöl) und zahlreiche innovative Klimaschutzprojekte gesprochen.

Wie verteilt sich Ihr Energieverbrauch am Standort?

Der Energieverbrauch am Standort verteilt sich auf verschiedene Bereiche, darunter Gebäude, Prozesse und Transport. Bei der Gebäudeenergie dominiert die Heizung (ca. 87%), gefolgt von Beleuchtung (ca. 12%) und einem kleinen Rest für Klimatisierung und Lüftung. Bei der Prozessenergie überwiegt der Stromverbrauch (ca. 74%), dazu Gasverbrauch (ca. 19%) und Treibstoffe (ca. 7%). Der größte Anteil der Transportenergie machen PKW und LKW (ca. 53%) aus. Kurz gesagt: Heizung, strombasierte Prozesse und externe Mobilität (PKW/LKW) sind die größten Energieverbraucher.

Wie sieht Ihre aktuelle Treibhausgasbilanz aus?

Der überwiegende Teil der Emissionen entsteht nicht am Standort selbst, sondern in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3). Diese machen rund 99 Prozent der gesamten Emissionen aus.

Die direkten Emissionen am Standort Nenzing (Scope 1) liegen bei etwa 1 Prozent. Davon entfällt der Großteil auf die Beheizung, gefolgt von den mobilen Verbrennungen, wie zum Beispiel in Staplern, bei Tests unserer Geräte oder durch Firmen-PKWs.

Die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (Scope 2) liegen rechnerisch bei 0 Prozent. Grundlage dafür ist der Einsatz von entsprechend zertifiziertem Grünstrom.

Welche Entwicklungen bzw. Reduktionen konnten Sie in den vergangenen Jahren erzielen? Welche Maßnahmen hatten dabei den größten Effekt?

In den letzten sechs Jahren konnten die direkten Emissionen (Scope 1) um rund 22 Prozent reduziert werden. Im Scope 2, der eingekauften Energie, liegen die Emissionen im selben Zeitraum rechnerisch bei 0 Tonnen CO₂. Grundlage dafür ist der Einsatz von Strom aus zertifizierten Ökostromnachweisen.

Zu den wirksamsten Maßnahmen zählen (farbige Box)

  • Der Einsatz von HVO als Ersatz für Diesel beim Durchschalten, Testen und bei der Erstbefüllung von Maschinen, wodurch jährlich rund 350.000 Liter Diesel und etwa 864 Tonnen CO₂ eingespart werden.

  • Umfassende Energiesparmaßnahmen, insbesondere durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung.

  • Ersatzinvestitionen in Elektrostapler sowie Elektro-Dienstfahrzeuge.

  • Die Umstellung von Gasheizkesseln auf Grundwasser-Wärmepumpen in Bürogebäuden.

  • Kauf von Ökostrom-Zertifikaten

Welche Rolle spielt die Kommunikation Ihrer Nachhaltigkeits- und Klimaziele gegenüber Kund:innen und Mitarbeiter:innen? Welches Feedback erhalten Sie dazu?

"Kund:innen interessieren sich zunehmend für die Dekarbonisierungsstrategie und sehen das Unternehmen als Teil ihrer Lieferkette mit entsprechendem Einfluss auf ihre eigenen CO₂-Ziele."

Im vergangenen Jahr hat sich das Verhalten deutlich verändert: Kund:innen fragen nicht mehr nur Umweltdaten ab, sondern suchen aktiv den Austausch.
Besonders im Fokus stehen Produkt- und Service-Lösungen zur Erreichung ihrer Klimaziele. Das Feedback ist sehr positiv und zeigt sich zunehmend auch in Verhandlungen. Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung gewinnen bei der Auftragsvergabe an Bedeutung.
Auch Bewerber:innen und Mitarbeitende legen großen Wert auf Nachhaltigkeit.

“Vor allem junge Menschen achten darauf, wie glaubwürdig ein Unternehmen Zukunftsthemen verfolgt.“

Mit Initiativen wie dem Maskottchen „Raupi“ gelingt es Ihnen, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Arbeitsalltag der Mitarbeiter:innen zu verankern. Wie funktioniert das genau, wo liegen dabei die Schwerpunkte?

„Unser Maskottchen „Raupi“ wird genutzt, um Themen rund um Sicherheit, Gesundheit, Umwelt und Energie verständlich zu vermitteln. Grundlage dafür bilden unsere Unternehmensziele sowie aktuelle Anlässe.“

Dafür werden Plakate mit Comic-Elementen erstellt, in denen „Raupi“ Hinweise für sicheres sowie energie- und umweltschonendes Verhalten gibt. Die Inhalte werden über verschiedene Kanäle ausgespielt, etwa im Intranet, auf Monitoren oder in der Mitarbeiter-App.

Die Schwerpunkte wechseln regelmäßig und umfassen unter anderem Arbeitssicherheit, Brandschutz, Umwelt, Energie und Gesundheit.
Ziel ist es, ohne strikte Regeln Bewusstsein zu schaffen und Mitarbeitende im Alltag zu sensibilisieren.

Liebherr-MCCtec GmbH

Welche Alternativen zur fossilen Wärmeversorgung setzen Sie bereits ein oder planen Sie künftig?

Aktuell kommen folgende Systeme zum Einsatz:

  • Grundwasser-Wärmepumpen in den Gebäuden Verwaltung A, Verwaltung B und Werkhalle P (Instandhaltung)

  • Eine Luftwärmepumpe im Prüfstandsgebäude

    Künftig ist vorgesehen, vollständig auf Erdgas zu verzichten. Geplant ist eine Kombination aus Grundwasser-, Luft- und Erdwärmepumpen, Abwärmenutzung sowie Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs, beispielsweise durch verbesserte thermische Isolierung.

Welche Rolle spielt HVO langfristig in Ihrer Dekarbonisierungsstrategie?

Der Biokraftstoff HVO wird seit 2024 am Standort in Nenzing sowie bei ausgewählten Transporten eingesetzt.

Liebherr-MCCtec GmbH

„Er ersetzt Diesel beim Durchschalten, Testen und bei der Erstbefüllung der Maschinen und ermöglicht Einsparungen von rund 350.000 Litern Diesel und etwa 864 Tonnen CO₂ pro Jahr.“

Entscheidend ist die Herkunft des HVO: Nur wenn dieser zu 100 % aus pflanzlichen Öl- und Fettabfällen besteht, hat er einen positiven Klimaeffekt.

„Da die Verfügbarkeit begrenzt ist, stellt HVO eine Übergangslösung dar, bis andere alternative Kraftstoffe verfügbar sind oder der flächendeckende Einsatz elektrische Maschinen in allen Anwendungsbereichen möglich ist.“

Auch bei unseren Kund:innen steigt das Interesse an HVO. Unsere Maschinen sind daher für alternative Kraftstoffe zugelassen, um bereits heute emissionsärmere Anwendungen zu ermöglichen.

Sie fördern die gesunde und klimafreundliche Anreise Ihrer Mitarbeiter:innen, insbesondere durch Maßnahmen für Radverkehr und E-Mobilität. Wie sehen Ihre Angebote aus?

Wir bieten unseren Mitarbeitenden vielfältige Möglichkeiten für eine klimafreundliche Anreise. Dabei setzen wir auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen:

  • Bikeleasing-Angebote
  • Anbindung an das Radwegenetz und Ausbau überdachter Fahrradabstellplätze
  • Bahnhofsräder an den Standorten Bludenz und Nenzing (Geplant ab Juli)
  • Fahrradwettbewerbe zur Motivation: Auch mit jährlich stattfindenden Initiativen wie den Fahrradwettbewerben machen wir den Arbeitsweg ohne Auto attraktiv.
  • Kostenloser Werksverkehr von Dornbirn bis Partenen
  • Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge im Parkhaus: Für E-Mobilität stellen wir zudem Ladestationen im Parkhaus zur Verfügung. So unterstützen wir aktiv den Umstieg auf alternative Antriebe.

Unser Ziel ist es, Mobilität ganzheitlich zu gestalten und das Angebot laufend weiterzuentwickeln.

Sie haben im Nachhaltigkeitsrating Ecovadis den Platin-Status erreicht und verstehen Ihr Unternehmen als Teil einer globalen Lieferkette. Welche Bedeutung hat das für Ihr Unternehmen?

Die EcoVadis-Platinmedaille stellt eine bedeutende Anerkennung der umgesetzten Nachhaltigkeitsstrategie dar. Nach vier Gold-Auszeichnungen in Folge gehört das Unternehmen mit der kürzlich erhaltenen Platinmedaille nun zu den besten 1 % von über 150.000 bewerteten Unternehmen weltweit.

Gleichzeitig bleibt der Anspruch bestehen, weiterhin offen, flexibel und innovativ zu bleiben.

„Die Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit sind nach wie vor groß, weshalb für uns die kontinuierliche Weiterentwicklung und Zusammenarbeit mit Partnern im Fokus stehen.“

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit bei Liebherr in Nenzing erfahren Sie auch hier.