

Die zentralen Bereiche und Handlungsfelder der Energieautonomie Vorarlberg
Im Rahmen der Aktualisierung der Strategie Energieautonomie+ 2026 kristallisierten sich fünf Bereiche heraus, in denen die wesentlichen Handlungsfelder zusammenwirken.


100% Erneuerbare Stromversorgung 2030
Bis 2030 soll die Stromversorgung vor dem Hintergrund eines wachsenden Stromverbrauchs bilanziell zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen erfolgen. Dies erfordert eine umfassende Nutzung aller verfügbaren Ressourcen und Technologien
Gegenüber der bisherigen Strategie der Energieautonomie+ 2030 (150 GWh Zubau 2020-2030) müssen im Bereich der Wasserkraft aufgrund von Entscheidungen von illwerke vkw mehrere geplante Projekte zurückgestellt werden. Darunter auch das Kraftwerk Lochau, für das bis 2040 keine weiteren Maßnahmen geplant sind. Ein Zubau von 120 GWh wird unter Berücksichtigung der Optimierung bestehender Anlagen angestrebt. Bis Ende 2024 konnten 50 GWh realisiert werden. An Gewässern mit sehr gutem ökologischem Zustand sollen auch weiterhin keine Wasserkraftwerke errichtet werden.
Das Lünerseewerk II, das größte Pumpspeicherkraftwerk Österreichs, wird mit 2 Milliarden Euro als Schlüsselprojekt vorangetrieben, um die Energiespeicherung und Stabilität des Systems zu gewährleisten. Die Inbetriebnahme ist bis in die 2030er Jahre geplant. Beim Lünerseewerk II handelt es sich um ein reines Pumpspeicherkraftwerk, bei dem keine zusätzliche Primärstromproduktion erfolgt. Abhängig von der Betriebsweise des Lünerseewerkes II kann es beim Walgauwerk zu Erzeugungsverlusten kommen.
Bei Photovoltaik-Anlagen soll der Fokus in erster Linie auf Gebäudedächer und Fassaden gelegt werden, während hochwertige Grün- und Ackerflächen wie bisher frei von Photovoltaikflächen bleiben sollen. Außerdem sollen auch Anlagen auf künstlichen und versiegelten Flächen forciert werden.
Neben Wasserkraft und Sonnenenergie gibt es in Vorarlberg auch Potenzial für Windkraft. In den in Vorarlberg dafür geeigneten Gebieten sollen jeweils Einzelfallprüfungen in Abstimmung mit den Gemeinden durchgeführt werden.
Die Netzkapazität wird bis 2040 um 380 MW aus-gebaut, wobei 1,4 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur fließen. Zusätzlich sollen der Netzausbau und die Digitali-sierung der Stromnetze mit hoher Priorität vorangetrieben werden.
Mit einem steigenden Anteil von Strom aus fluktuierenden Energiequellen wie Photovoltaik und Windkraft kommt dem Thema der Stromspeicherung eine erhöhte Bedeutung zu. Für eine optimale Nutzung der Erzeugungspotentiale und einen stabilen Netzbetrieb sind deshalb zusätzliche Speicherkapazitäten erforderlich. Neben der bewährten Technologie der (Pump-)Speicherkraftwerke werden in Zukunft bei der Kurzzeitspeicherung insbesondere batterieelektrische Speicher eine größere Rolle spielen. Ihr Ausbau und systemdienlicher Einsatz soll in den nächsten Jahren unterstützt und vorangetrieben werden. Dazu gehört auch bidirektionales bzw. system-dienliches Laden von E-Autos.
Um den Bau der benötigten Kraftwerksanlagen und der dafür notwendigen Infrastruktur zu beschleunigen, wurde im Raumplanungsgesetz eine Verordnungsermächtigung zur Festlegung von Beschleunigungsgebieten verankert. Die zugehörigen Verordnungen sollen rasch umgesetzt werden.
Durch die Realisierung von Erneuerbaren Energiegemeinschaften und Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen (EEGs und GEAs) werden Bevölkerung, Gemeinden und Betriebe zu aktiven Gestalterinnen der Stromproduktion. EEGs treiben den Ausbau und die Nutzung von lokal produziertem, erneuerbarem Strom voran. Darüber hinaus stärken sie die Identifikation der Akteurinnen und Akteure mit dem Standort und schaffen Bewusstsein bezüglich der Themen Energie und Klima-schutz. Die Umsetzung von EEGs und GEAs soll deshalb durch Beratungsangebote und Informationstätigkeit aktiv unterstützt werden.

Erneuerbare Raumwärme
Bis 2050 sollen rund 60.000 Gebäude in Vorarlberg, die noch keine sogenannten „Nullemissionsgebäude“ sind, in solche umgewandelt werden. Dies erfordert ein ganzes Bündel an Maßnahmen.
Durch eine vorausschauende räumliche Energieplanung soll identifiziert werden, in welchen Regionen Vorarlbergs eine Energiebereitstellung durch öffentliche Nahwärmenetze, gespeist aus Abwärme, Biomasse, Umgebungswärme und Sonnenenergie, möglich und wirtschaftlich tragfähig ist. In diesen Regionen soll die Nahwärme weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig gilt es, Vorbereitungen auf den sukzessiven Ausstieg aus Erdgas im Raumwärmebereich zu treffen und die Netzkosten auf eine geringer werdende Anzahl Anschlussnehmer fair zu verteilen.
Durch eine ausgewogene Mischung aus baurechtlichen Vorgaben und Förderungen soll bewirkt werden, dass v. a. bei Renovierungen von Gebäuden die Raumwärmebereitstellung möglichst vollständig auf erneuerbare Energiequellen umgestellt wird. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die soziale Verträglichkeit und Leist-barkeit für einkommensschwache Haushalte gelegt werden.
Im für die Energieautonomie+ so wichtigen Bereich der Wärme-versorgung von Haushalten mit heimischer Biomasse gilt es, das Vertrauen der Bevölkerung in die Flexibilität und Kosteneffizienz dieser heimischen Energielösung weiter zu stärken und die Akzeptanz für die Nahwärme zu erhöhen.

Erneuerbare Prozessenergie
Die Senkung der spezifischen Energieintensität bzw. Erhöhung der Energieeffizienz soll fortgeführt und weiter gesteigert werden. Fossile Energie zur Prozessenergiebereitstellung soll schrittweise und soweit technisch und wirtschaftlich möglich, durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden.
Im Sektor Industrie und Gewerbe soll vor-wiegend das begrenzt vorhandene grüne Gas und weitere biogene Energieträger zur Deckung des Prozessenergiebedarfes eingesetzt werden. Die eingesetzte Technologie soll in Abhängigkeit der erforderlichen Prozesstemperatur gewählt werden. Bei niedrigen und mittleren Temperaturen sollen verstärkt Hochleistungs-Wärmepumpen eingesetzt werden.

Klimaneutraler Verkehr
Der Verkehrssektor ist nach wie vor der größte Emittent von Treibhausgasen, es konnten aber in den letzten Jahren einige Erfolge erzielt werden. Ziel ist es, durch den Ausbau des Umweltverbunds (Fuß, Rad, ÖPNV) sowie den schritt-weisen Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge eine leistbare, effiziente und nachhaltige Mobilität für Bevölkerung und Wirtschaft sicherzustellen.
Der öffentliche Personennahverkehr spielt eine zentrale Rolle zur Reduktion der CO₂-Emissionen im Mobilitätssektor. Während der Schienenverkehr voll elektrifiziert ist, ist bei der Bus-flotte die Elektrifizierung in vollem Gang. Bis Ende 2025 sollen bis zu 130 Elektrobusse im ganzen Land unterwegs sein. Mit der Weiterentwicklung auf E-Mobilität wird die Umweltleistung der Öffis weiter erhöht.
Vorarlberg ist österreichischer Spitzenreiter im Radverkehr. Bereits jetzt wird jeder fünfte Alltagsweg in Vorarlberg mit dem Fahrrad zurückgelegt. Ein hohes Niveau, das in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden soll. Neben der Förderung des Radverkehrs setzen sich die Vorarlberger Städte und Gemeinden intensiv für die Schaffung attraktiver und sicherer Rahmenbedingungen für Fußgängerinnen und Fußgänger ein. Ziel ist es, den aktuellen Wegeanteil jedenfalls zu halten.
Durch neue und verbesserte Antriebs-technologien und eine Verlagerung auf die Schiene soll im Güterverkehr ein substanzieller Beitrag zur Reduktion fossiler Energieträger und der Treibhausgasemissionen erreicht werden. Die Maßnahmen des Güterverkehrskonzepts leisten einen substanziellen Beitrag zu diesem Absenkpfad.
Mit rund 11.000 E-Autos und rund 16.000 Hybriden beträgt der Anteil alternativer Antriebe für PKW im Bestand 12 %. Bei der Ladeinfrastruktur kommen rd. 300 öffentliche Ladepunkte auf 100.000 Einwohner bzw. teilen sich 8,9 E-PKW einen öffentlichen Ladepunkt. Diese erfreuliche Entwicklung soll weiter fortgesetzt werden.
Der Anteil von Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybrid-An-trieben an den Neuzulassungen nimmt zu und hat im ersten Quartal 2025 einen Spitzenwert von über 50 % erreicht (TL2.1). Ziel ist es, Wege und Transportaufgaben, die sich nicht oder nur schwer auf den Umweltverbund verlagern lassen, in Zukunft weitgehend mit energieeffizienten und emissionsarmen Fahrzeugen zu bewältigen.

Vorbildwirkung der öffentlichen Hand
Das Land, Gemeinden und öffentliche Einrichtungen wirken als Vorbilder und Impulsgeber. Durch energieeffizientes Bauen und der Verwendung regionaler Baustoffe sowie klimafreundliche Mobilitäts- und Wärmeversorgungskonzepte setzen sie konkrete Maßnahmen und motivieren durch Beschlüsse, Investitionen und Öffentlichkeitsarbeit die auch die Bevölkerung und Unternehmen zur Mitgestaltung.
Klimaneutrale Landesverwaltung und landeseigene Unternehmen: Das Ziel, die Vorarlberger Landesverwaltung und die landeseigenen Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung klimaneutral zu organisieren, wird konsequent weiterverfolgt. Inzwischen konnten alle Ölkessel in Verwaltungsgebäuden ersetzt werden. Ein neuer Fokus betrifft die Reduktion von Gas. Sanierungen und Neubauten von Landesgebäuden sollen generell eine Vorbildwirkung bezüglich Niedrigstenergiebedarf und Nutzung von Solarenergie, ökologischer Materialwahl und Begrünung etc. aufweisen. Der Fokus auf E-PKW bei Neuanschaffungen wird fortgesetzt.
Inzwischen haben sich 24 Gemeinden der MissionZeroV angeschlossen und die klimaneutrale Verwaltung beschlossen. Auch in budgetär herausfordernden Zeiten sollen weitere Gemeinden zur Teilnahme animiert und bei der Umsetzung unterstützt werden. e5-Gemeinden kommt als Vorreiter-Gemeinden eine besondere Bedeutung zu. Der inhaltliche Fokus entspricht dem der Landesverwaltung.
