Zehntausend Jahre Pflanzen- und Tierzüchtung sowie die fortschreitende Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft haben die Nahrungsproduktion so weit gesteigert, dass die Weltbevölkerung auf fast sieben Milliarden Menschen anwachsen konnte. Diese Entwicklung hat jedoch ihre Grenzen weitestgehend erreicht und vielerorts sogar überschritten.

Ein Beitrag von Dr. Klaus Hahlbrock
Prof. em. Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung, Köln/D

  • Wasserknappheit, Wüstenbildung und Klimaveränderungen sind vor allem in außereuropäischen Regionen deutlich spürbare Folgen. Aus Sicht der Nahrungsproduktion handelt es sich in erster Linie um ökologische Grenzen, die wiederum in enger Wechselwirkung mit dem Klima stehen. Die direkten und indirekten Auswirkungen sowohl des Pflanzenbaus wie der Viehhaltung auf das Klima sind vielfältig. Hier können nur einige wenige Beispiele angeführt werden:
  • der Verlust eines erheblichen Anteils der terrestrischen Wasser- und Wärmespeicher durch Umwandlung riesiger artenreicher Waldgebiete der gemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazonen aller Kontinente in ökologisch verarmtes Acker- und Weideland mit entsprechend veränderter Wolken- und Niederschlagsbildung, verstärkt durch
  • die Trockenlegung vieler Feuchtgebiete und die Übernutzung natürlicher Verdunstungsflächen für künstliche Bewässerung,
  • die zunehmende Freisetzung anthropogener „Treibhausgase“ durch Brandrodung und durch massiven Energieverbrauch entlang der gesamten Nahrungsproduktionskette, ferner durch Rinderhaltung und Reisanbau (Methan) und den Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel.

Damit sind die Handlungsoptionen erheblich eingeschränkt, obwohl Hunger und Mangelernährung in vielen Teilen der Welt schon jetzt einen weiteren Produktionsanstieg erfordern und obwohl die Agrarproduktivität in manchen außereuropäischen Regionen eher sinkt als steigt. Bezüglich der Wechselwirkung zwischen Nahrungsproduktion und Klima gehören zu den vordringlichsten Maßnahmen:

  • Erhalt und möglichst Rückgewinnung ökologisch und klimatisch wertvoller Biotope, vorrangig durch Verzicht auf Pflanzenbau zur Gewinnung von „Biosprit“ sowie auf Futteranbau (Soja und ca. 30 % der Weltgetreideernte!) für die ernährungsphysiologisch ineffiziente und ökologisch wie ethisch inakzeptable Massentierhaltung,
  • Effizienzsteigerung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern durch Modernisierung der Anbautechniken, lokal angepasste Sortenzüchtung und verbesserte Ausbildung, Infrastruktur und medizinische Versorgung, u. a. zur Beseitigung der Massenarmut als Hauptursache des Bevölkerungswachstums mit allen sozialen, ökologischen und klimatischen Folgewirkungen,
  • erheblich reduzierte, verbrauchsgerecht dosierte Bewässerung und Düngung sowie ökologisch rücksichtsvoller Pflanzenschutz, u. a. um die vorhandenen Wasserressourcen zu erhalten und nachhaltig nutzen zu können,
  • Züchtung von Sorten mit erhöhter Krankheitsresistenz, Insektenresistenz, Dürretoleranz, Herbizidtoleranz und erhöhtem Nährstoffumsatz, verbunden mit ökologisch nachhaltiger Landwirtschaft und möglichst lokaler Produktverwertung zur Reduktion des Energie-, Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatzes und damit von Treibhausgas-Emissionen.